Thematischer Schwerpunkt der Ergänzung

Unterstützung von jungen Menschen mit Migrations- bzw. Fluchthintergrund beim Übergang von der Schule in den Beruf im Öffentlichen Dienst in SH

 

Ausbildung und Integration im Öffentlichen Dienst SH“

Ein Weg zur stärkeren Interkulturellen Öffnung des Öffentlichen Dienstes in S-H

 

Sachverhaltsanalyse

 

Seit über 20 Jahren leistet das AIM-Projekt einen wesentlichen Beitrag zum erfolgreichen Berufseinstieg von Jugendlichen mit Migrations-hintergrund. Sowohl Jugendliche als auch Betriebe haben in dieser Zeit ein enormes Vertrauen in das Angebot aufgebaut. Mit seinem Angebot bildet AIM eine Brückenfunktion zwischen den Jugendlichen, Ausbildungsstätten, Schulen und dem Elternhaus. Die Beratungsstellen leisten hervorragende Arbeit und der Erfolg der Arbeit spiegelt sich in der großen Anzahl der Jugendlichen, die täglich die Beratungsbüros besuchen, wider.

 

Durch unsere jahrelange Förderungstätigkeit für den regionalen Arbeitsmarkt hat die TGS-H allerdings festgestellt, dass der öffentliche Dienst vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund weiterhin verschlossen bleibt, obwohl weiterhin in fast allen Sektoren des öffentlichen Dienstes händeringend geeignete Bewerber_innen gesucht werden. So stellen Personaler landesweit in nahezu jedem Berufsfeld fest, dass der Wettbewerb um Talente weiter zunimmt und das sowohl die Kommunen als auch das Land als Arbeitgeber_innen immer strategischer und vorausschauender agieren müssen, um ihren Bedarf zu decken.

 

Studien belegen und bestätigen, dass Migrant_innen im öffentlichen Dienst leider immer noch deutlich unterrepräsentiert sind.  Ziel sollte es daher auf der einen Seite sein, das Interesse am Öffentlichen Dienst bei den Migrant_innen zu steigern und ihren Anteil im Öffentlichen Dienst erheblich zu erhöhen. Dabei müssten allerdings auch auf der anderen Seite Hindernisse bei der Auswahl und Einstellung abgebaut werden und eine noch stärkere Sensibilisierung für kulturelle Vielfalt im öffentlichen Dienst stattfinden.

 

Bundesweite Erfahrungswerte zeigen, dass das Problem des öffentlichen Dienstes, geeignete Bewerber_innen einzustellen, sich durch die Tatsache verschärft, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund eine stark wachsende demographische Gruppe darstellen, aber gerade diese Gruppe sich kaum berufliche Chancen im öffentlichen Dienst ausrechnet. Verstärkt wird dieses Problem durch häufig mangelnde Kenntnisse über mögliche und realistische Ausbildungsberufe und Studienmöglichkeiten im Rahmen des öffentlichen Dienstes. Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund haben gerade in ihrem familiären Umfeld wenige bis gar keine Kontakte zu Menschen mit Diensterfahrung im öffentlichen Sektor und können sich daher nur schwer eine Karriere im Öffentlichen Dienst vorstellen oder dazu allein durch im schulischen Rahmen stattfindende Maßnahmen motiviert werden. Die Vielfalt an unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten erschwert dabei zusätzlich die Berufsorientierung. So ist es vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen unbekannt, dass Diversity ein immer wichtigeres Themenfeld im öffentlichen Dienst ist und dieser in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitsplatzsicherheit, flexible Arbeitsformen und Attraktivität besondere Vorzüge bietet.

 

Zielvorstellungen

 

Im Zuge der Berufsorientierung und Nachwuchskräftegewinnung für den öffentlichen Dienst im Land Schleswig-Holstein werden wir in den Beratungsstellen zukünftig Maßnahmen durchführen, die gezielt Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf ihre beruflichen Möglichkeiten im Hinblick auf den Öffentlichen Dienst in Schleswig-Holstein ansprechen.

 

Wir möchten die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen im Öffentlichen Dienst intensivieren, um gemeinsam die Zielgruppe der Migrant_innen zu erschließen. Es sind auch Maßnahmen angedacht, die die Personaler_innen des Öffentlichen Dienstes auf das Thema Migration sensibilisieren.

 

Ziel dieser Projekterweiterung ist es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationserfahrung / - hintergrund die vielfältigen Möglichkeiten einer Karriere im Öffentlichen Dienst (Bund, Land, Kommunen) zu vermitteln, individuelle Potentiale der Teilnehmer_innen zu ermitteln und ihnen anschließend das nötige Know-How zu einer erfolgreichen Bewerbung an die Hand zu geben. Langfristig soll so eine Steigerung der durchschnittlichen Bewerber_innenzahl- und -qualität erreicht und den Behörden die Möglichkeit gegeben werden, Talente bereits vor dem individuellen Schul- oder Berufsabschluss durch ein noch zu erarbeitendes Praktikums- und/oder Mentor_innenprogramm zu fördern. Wichtig ist es, geeignete Kandidat_innen für den Öffentlichen Dienst zu identifizieren, die hinreichend leistungsfähig sind und somit eine Chance auf eine erfolgreiche Bewerbung im Öffentlichen Dienst haben.

 

Diese Erweiterung der bisherigen Projektarbeit beinhaltet einen gänzlich neuen Tätigkeitsschwerpunkt, der die politischen Ziele, die durch Staatskanzlei, Bildungsministerium, Landeshauptstadt Kiel und die Regionaldirektion Nord angestrebt werden, aktiv, praxisnah und nachhaltig verfolgt.

 

Konkret erreicht werden soll:

 

  • Eine Ansprache geeigneter Jugendlicher und junger     Erwachsener mit Migrationserfahrung / -hintergrund
  • Die Steigerung und Festigung der Motivation zur Aufnahme einer qualifizierten Ausbildung / eines Studiums im Öffentlichen Dienst
  • Darstellung der vielfältigen Berufsperspektiven, Einsatzgebiete und Arbeitsfelder im öffentlichen Dienst
  • Die Überprüfung und Treffen einer realistischen Berufswahlentscheidung im öffentlichen Dienst
  • Die Erweiterung des Berufswahlspektrums
  • Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Der frühzeitige Erwerb und das Kennenlernen des vielfältigen beruflichen Alltags im öffentlichen Dienst
  • Die Wissensvermittlung um die Notwendigkeit der in der beruflichen Ausbildung vorausgesetzten Kompetenzen sowie die Stärkung und    der Ausbau dieser Fähigkeiten
  • Die Sensibilisierung des Öffentlichen Dienstes auf das Thema Migration
  • Die Steigerung der Zahlen der Bewerber_innen mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst

 

Zielgruppe

 

Zielgruppe der Projekterweiterung sind junge Migrant_innen, die die Voraussetzungen für die Aufnahme einer Berufsausbildung im öffentlichen Dienst erfüllen. Auswahl der Teilnehmenden erfolgt über die TGSH, die in ihrem großen Netzwerk für den Öffentlichen Dienst potentiell geeignete Bewerber_innen mit unterschiedlichsten Hintergründen ansprechen und für das Projekt gewinnen wird. Neben der Sichtung des Bewerber_innenfeldes werden intensive Gespräche mit den Familien geführt, um so die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sicherzustellen.

Zielgruppe sind auch die Personalverantwortlichen im Öffentlichen Dienst. Mit ihnen sollen gemeinsam Überlegungen angestellt werden, um die Zahl der Bewerber_innen mit Migrationshintergrund zu steigern. Dabei werden sie auf das Thema Migration sensibilisiert.

 

 

Elternarbeit

 

Aus langjähriger Erfahrung ist es uns bewusst, dass Migranten_inneneltern einen besonders starken Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben und oft selbst wenige Informationen über die Chancen in Deutschland besitzen. Daher sollen die Eltern gezielt   angesprochen werden, um das Interesse für eine Ausbildung ihrer Kinder im öffentlichen Dienst zu wecken. Hohe Bildungsaspiration wird zu häufig nur mit einem Studium an einer Universität verbunden und der öffentliche Dienst selten als Berufsfeld wahrgenommen. Gerade deshalb müssen die Eltern auch aktiv auf die breiten Studien- und Ausbildungsangebote im öffentlichen Dienst hingewiesen werden, um noch mehr Jugendliche in diese verantwortungsvollen Berufsbereiche zu leiten.

Gleichzeitig sollen Eltern durch Gespräche untereinander das Bewusstsein für Karrierechancen im Öffentlichen Dienst weiter verbreiten.

 

 

 

 

Inhalt und Projektgestaltung

 

Den Betreuten wird ermöglicht, einerseits Berufe im Öffentlichen Dienst kennenzulernen und sie werden andererseits dabei im Erkenntnisprozess unterstützt, die Potenziale, über die sie bereits verfügen, stärker wahrzunehmen und in Bewerbungsverfahren gewinnbringend einzubringen. Dies soll sie in ihrem Selbstwertgefühl stärken und ihnen die Motivation zu einer konkreten Bewerbung im öffentlichen Dienst geben. Ergänzt wird die Vorstellung der verschiedenen Berufe im öffentlichen Dienst durch Bewerbungstraining, Assessmentcenter-Simulation und Erlebnis- und sozialpädagogische Einheiten. Diese Einheiten sollen u.a. Kernkompetenzen für eine Bewerbung vermitteln, Ängste vor einer Bewerbung abbauen und durch erste Erfolgserlebnisse ein positives Lern- und Arbeitsklima schaffen. Die erlebnispädagogischen Einheiten dienen außerdem der Förderung des Sozialverhaltens und der Kommunikationsfähigkeit und stärken die Teilnehmenden in ihrem Selbstbewusstsein und der Reflexion.

Auch hier wird auf den Multiplikationseffekt gesetzt, dass die geschulten/betreuten Jugendlichen ihre neuen Erkenntnisse/Ideen und positiven Erfahrungen mit Gleichaltrigen teilen und somit den Öffentlichen Dienst als potentiellen Arbeitgeber in den Fokus rücken.

 

Das Projekt wird in den Räumen der TGS-H mit Kooperationspartnern durchgeführt werden.

 

  1. Methodischer Ansatz

 

Informationsveranstaltungen

 

  • Vermittlung von Grundlagen der Beschäftigung im Öffentlichen Dienst
  • Erklärung und Erläuterung des Staats- und Verwaltungsaufbaus

 

Messen

 

  • Übersicht der vielfältigen Angebote und Voraussetzungen für Ausbildung und Karriere im Öffentlichen Dienst

 

Seminare/ Workshops/ Gruppenangebote

 

  • Durchführung erlebnispädagogischer Einheiten
  • Kommunikations- und Verhaltensbeobachtungen
  • Annäherung Selbst- und Fremdeinschätzung
  • Reflexion und Selbstwahrnehmung der eigenen Stärken
  • Berufsorientierungscamp
  • Übung und Vorbereitung: Individuelles Training für Auswahl-, Einstellungs- oder Eignungstest

 

 

Einzelgespräche

 

  • Erstellung von Bewerbungsunterlagen und Bewerbungstraining
  • Persönliche Zielformulierungen
  • Erarbeitung nächster Schritte in der individuellen Berufswegeplanung

 

Praktika

 

  • Arbeiten unter fachlicher Anleitung

 

Rahmendaten
Verantwortlich Dr. Cebel Küçükkaraca
Projektleiter
Projektzeitraum 01.11.2018 - 31.12.2019
Standorte Schleswig-Holstein
Träger Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V.
Zielgruppe Junge Migrant_innen bis 27


Kontakt
AIM-ÖD Büro Kiel
Ansprechpartner Meryem Dipcin
Elisabethstr. 59
Kiel
24143
Telefon 0431/364 17 22
Telefax 0431/76 117
E-Mail Email