Das diesjährige Fastenbrechen der Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. fand im Mega Saray Eventcenter in Kiel-Gaarden statt und stand ganz im Zeichen des Miteinanders. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft folgten der Einladung – und setzten damit ein sichtbares Zeichen für Dialog, Respekt und demokratischen Zusammenhalt in Schleswig-Holstein.Im Anschluss begrüßte Dr. Cebel Küçükkaraca die Gäste und hob in seiner Rede hervor, dass der Ramadan in diesem Jahr nahezu zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit stattfindet. Trotz unterschiedlicher religiöser Ausdrucksformen sei der innere Kern vergleichbar: Es gehe um Selbstreflexion, um Verantwortung, um Solidarität mit den Schwächeren und um die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln.
Zugleich sprach er offen über Missverständnisse, die den Ramadan bisweilen begleiten. Fasten sei kein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und kein Zeichen verminderter Leistungsfähigkeit. Vielmehr erlebten viele Menschen diese Zeit als Phase besonderer Disziplin und Fokussierung. Auch gesundheitliche Aspekte seien im Islam klar geregelt – Verantwortung für den eigenen Körper sei ausdrücklich Teil des Glaubens.
Mit Nachdruck stellte er klar, dass Religionsfreiheit ein Grundrecht sei – kein Sonderrecht. Wer seinen Glauben praktiziere und zugleich Verantwortung in dieser Gesellschaft übernehme, stehe nicht am Rand, sondern im Zentrum der demokratischen Ordnung.
Gerade in Zeiten zugespitzter Debatten über Migration, Identität und Zugehörigkeit sei es entscheidend, Räume der Begegnung zu schaffen. Integration sei kein abgeschlossener Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess, der Vertrauen, Dialog und gegenseitige Anerkennung voraussetze. Schleswig-Holstein sei stark, weil Menschen unterschiedlicher Herkunft in allen Bereichen Verantwortung übernehmen – in Wirtschaft, Bildung, Verwaltung, Ehrenamt und Bundeswehr.
Zu den Ehrengästen des Abends gehörte unter anderem die stellvertretende Ministerpräsidentin Aminata Touré. In ihrem Grußwort betonte sie, dass sie immer wieder gern am Fastenbrechen der TGSH teilnehme. Sie überbrachte zugleich die Entschuldigung des Ministerpräsidenten, der sein Kommen ursprünglich vorgesehen hatte und sein Fernbleiben aufrichtig bedauere.
Touré sprach persönlich über ihre westafrikanischen, muslimisch geprägten Wurzeln und darüber, wie prägend der Ramadan in ihrer Kindheit gewesen sei – als eine Zeit, in der Familie, Gemeinschaft und das bewusste Miteinander im Mittelpunkt standen.
Politisch fand sie klare Worte: Nicht der islamische Glaube gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland, sondern Hass, Ausgrenzung und pauschale Zuschreibungen. Diese Botschaft unterstrich die Bedeutung des Abends weit über das gemeinsame Fastenbrechen hinaus.
Auch die Vizepräsidentin des Landtags, Beate Raudies, richtete Grußworte an die Anwesenden. Sie überbrachte die Grüße aller Abgeordneten sowie der Landtagspräsidentin Kristina Herbst, die sie an diesem Abend vertrat. Mit Blick auf internationale Krisen äußerte sie ihr Bedauern darüber, dass der Ramadan – eigentlich eine Zeit des Friedens – für viele Menschen weltweit nicht in Sicherheit und im Kreis ihrer Familien begangen werden könne. Zugleich würdigte sie die TGSH als verlässlichen und geschätzten Partner im Land.
Der Generalkonsul der Republik Türkei in Hamburg, Berati Alver, richtete sich in seinem Grußwort zunächst auf Türkisch an die türkischsprachigen Gäste. In einem kurzen Beitrag auf Deutsch bedankte er sich anschließend für die Einladung und unterstrich, dass Veranstaltungen wie dieses gemeinsame Fastenbrechen einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.
Auch der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sprach zu den Gästen. Er bemerkte, dass er in diesem Jahr zum letzten Mal als Oberbürgermeister am Iftar der TGSH teilnehme. In den vergangenen zwölf Jahren sei er – wann immer es ihm möglich gewesen sei – sehr gerne zu dieser Veranstaltung gekommen. Gerade in einer Zeit, in der es in vielen Teilen der Welt Konflikte und Unsicherheit gebe, sei er dankbar, hier in einer Gemeinschaft zusammenzukommen, in der Menschen guten Willens und guten Herzens miteinander begegneten. Zugleich dankte er der TGSH für die zahlreichen Begegnungen und Gespräche in den vergangenen Jahren. Mit Blick auf die Zukunft betonte Kämpfer zudem, dass die Wahl von Samet Yilmaz zum ersten muslimischen Oberbürgermeister der Stadt Kiel ein starkes Zeichen für die Weltoffenheit der Landeshauptstadt sei.
Der Abend endete mit dem gemeinsamen Fastenbrechen – als Moment der Gemeinschaft, der Dankbarkeit und der Hoffnung. Die TGSH setzt damit ein klares Zeichen: Vielfalt ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Realität, die gestaltet werden kann – durch Dialog, gegenseitigen Respekt und gelebten Zusammenhalt.
Wir danken allen Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen, Furkan und Erhan Kemer für die tolle musikalische Begleitung und dem gesamten Team des Mega Saray für die schönen Räumlichkeiten und die hervorragende Verpflegung.





06.03.2026, 10:46 - redaktion













