Am 27. Januar 2026 gedenken wir zum 81. Mal der Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Dieser Tag ist ein Mahn- und Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus: für die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden, ebenso für Sinti und Roma, für Menschen mit Behinderungen, für politisch Verfolgte, für Homosexuelle und für all jene, die nicht in das menschenverachtende Weltbild der Nationalsozialisten passten.Dieses Gedenken darf niemals selektiv sein. Wer erinnert, muss alle Opfer benennen. Und wer erinnert, trägt Verantwortung für die Gegenwart.
Mit großer Sorge beobachten wir die zunehmende Normalisierung rechtsextremer Positionen in Deutschland. Wenn die AfD in Bayern offen die Einrichtung einer Abschiebesonderpolizei nach dem Vorbild der US-amerikanischen ICE fordert, dann ist das kein „radikaler Rand“, sondern ein gefährlicher Angriff auf den Rechtsstaat. In den USA stehen ICE-Einheiten für willkürliche Festnahmen, rassistisches Profiling und die systematische Missachtung von Menschenrechten.
Eine staatlich legitimierte Sondereinheit, die Menschen nach Herkunft oder zugeschriebener Identität aussortiert, hatten wir in Deutschland bereits – mit katastrophalen Folgen. Dass eine Partei es wagt, an diese Logik anzuknüpfen, ist an Grausamkeit und Menschenfeindlichkeit kaum zu überbieten.
Der 27. Januar verpflichtet uns, solchen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten. „Nie wieder“ ist keine historische Floskel. Es ist ein politischer Auftrag für die Gegenwart.
Wir rufen Politik, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden dazu auf, sich klar zur Menschenwürde, zu Grundrechten und zum Schutz von Minderheiten zu bekennen. Erinnerung ohne Konsequenzen bleibt leer. Gedenken ohne Haltung ist bedeutungslos.





27.01.2026, 10:34 - redaktion



